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Kultur

"statt einer Ankunft" ...

Haut, Dënschdeg den Owend ass am Nationale Literaturzenter d'Präisiwwerreechung vum Nationale Literaturconcours 2020. Och dëst Evenement gëtt gestreamt. Mir hu mat der Gewënnerin vum 1. Präis, der Ulrike Bail iwwer hiren ausgezeechente Recueil vu Gedichter "statt einer ankunft" geschwat.

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3 min

"Jedes Gedicht thematisiert eine Bushaltestelle oder jetzt auch eine Tramhaltestelle, ich habe angefangen als es noch keine Tram gab. Die Gedichte thematisieren entweder meine Geschichte, den Ort, Beobachtungen, ganz kleine Beobachtungen an der Bushaltestelle oder auch die Geschichte der Bushaltestelle und das Ganze ist auch oft sehr vermischt."

Zwou Buslinnen, déi et als direkt Linnen net ginn, "Binnchen-Place de l'europe" an dann "Aéroport-Val fleuri" maachen déi éischt zwee Deeler vum Gedichtband aus. Dann en drëtten Deel "Arrêts supprimés" an am véierten Deel gëtt d'Haltestell "Bambësch" zum Sujet an dat ënner dem Titel "Draussen".

Wéi koum d'Ulrike Bail op d'Iddi Bus- an Tramhaltestelle lyresch ze verschaffen?

"Ich fahre sehr, sehr gerne Bus, weil Busfahren für mich so eine Zeit auβerhalb der Zeit ist. Sobald ich in einen Bus einsteige, versinke ich ein bisschen in mich, werde aber auch gleichzeitig hellwach.Ich beobachte ganz anders als sonst, weil man muss ja nichts tun, wenn man im Bus sitzt, man wird chauffiert. Ich saβ im Bus und las plötzlich 'Verlorenkost' und da dachte ich, ein komischer Name, da muss ich recherchieren, was das bedeutet. Das war ein Zugang über die Namen.

Das Andere, ich saβ im Bus, gedankenverloren, und plötzlich, das war ein Reinknallen in mein Bewusstsein: 'Deportation'. Da brach eine andere Wirklichkeit rein und ich bin aufgeschreckt und wusste in dem Moment nicht, wo ich bin, weil es ja 'rue de la Déportation' ist, aber wenn die Bushaltestellen angesagt werden, dann fällt 'rue de' oder 'avenue de' ja weg un man hat nur das eine Wort, und da wurde ich nachdenklich."

D'Inspiratioun kënnt vu Plazen a Renconteren

Sech un engem Sujet festhalen, an deen op villen Niveauen an esou ganz ënnerschiddleche Perspektive beliichten, en dréien, verfriemen, zerdeelen, nei zesummesetzen, dat ass déi Approche, déi een och aus anere Gedichtbänn vun der Ulrike Bail hirer ëmmer erëm iwwerraschender a sensibeler Dichtung kennt. Staark Biller - allerpreziist Wierder fir kuerz a bündeg esou vill ze soen. Esou war et am Band "Die Empfindlichkeit der Libelle", esou ass et och am rezente Buch "wie viele faden tief".

"Dann traf ich mich an Bushaltestellen mit Freundinnen und Freunden, es gibt eine Bushaltestelle MUDAM, weil ich sehr gerne ins MUDAM gehe und da verbindet sich die Bushaltestelle mit dem Ort, der in der Nähe ist. So wurde ich immer aufmerksamer, wacher, habe dann auch die Buspläne herausgezogen, mir die Bushaltestellen angekuckt, die interessant sein könnten. Es war eine Mixtur von erlebten Fahrten, erlebten Bushaltestellen, erlebten Begegnungen und da Interesse an den Busfahrplänen, wie das zusammenhängt und an den Namen auch."

Wéini mer "statt einer ankunft" selwer liese kënnen, dat ass nach net gewosst, mee spéitstens da kéint ee ganz lyresch Bus fueren, Ulrike Bail:

"Das kann man machen, ja klar! Vielleicht auch aussteigen, ... Manchmal sitze ich im Bus und beschreibe etwas oder ich stehe an der Bushaltestelle. Ja, das kann man durchaus."